Logopädie für Kinder


Die Logopädie für Kinder umfasst logopädische Therapien, die auch kombinierte Ansätze haben können, wie z.B. Sprachentwicklungstherapien, phonologische Therapien, myofunktionelle Therapien, Schlucktherapien, Stimmtherapien und Stottertherapien. Die Therapien werden dem Alter entsprechend spielerisch gestaltet. Kindgerecht und mit dem Blick auf die Entwicklung des Kindes.

Zu den Einsatzmöglichkeiten der Logopädie bei Kindern gehören:

  1. Sprachentwicklungsstörung und -verzögerung
  2. Orofaziale Störung/ Myofunktionelle Störung
  3. Auditive Verarbeitungs- und Wahnehmungsstörung
  4. Dyslalie/ Artikulationsstörung
  5. Nasales Sprechen
  6. Lese-Rechtschreibstörungen

Sprachentwicklungsstörung / Sprachentwicklungsverzögerung

Eine Sprachentwicklungsstörung (SES) oder –verzögerung (SEV) beschreibt eine strukturelle und zeitliche Abweichung vom normalen Spracherwerb:

  • Sprachverständnisstörung
  • Störung des Lauterwerbs
  • Eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit
  • Wortschatzdefizit
  • Phonologische Störung
  • Störung im Satzbau und in der Grammatik

Oft sind mehrere Bereiche gleichzeitig betroffen. Häufig gehen SES oder SEV mit auditiven Wahrnehmungsstörungen einher. Das Vorgehen in der logopädischen Therapie orientiert sich am Prozess des Spracherwerbs!

Es werden sowohl direkte als auch indirekte Methoden eingesetzt. Beim indirekten Vorgehen erfolgt die Arbeit mit dem Kind im Spiel ohne dass dem Kind bewusst ist, dass eine Störung vorliegt. Beim direkten Vorgehen sind dem Kind die eigenen Schwierigkeiten und das Ziel der Therapie bewusst und es arbeitet aktiv mit. In der Arbeit liegt ein weiterer Schwerpunkt in der Einbindung der Eltern, da dies vielfach Grundlage für eine erfolgreiche Arbeit mit den Kindern darstellt. Ein rechtzeitiger Beginn der logopädischen Therapie ist wichtig, da eine Sprachentwicklungsstörung ein erhöhtes Risiko für spätere Lernschwierigkeiten oder für eine Lese-Rechtschreibschwäche darstellen kann.

Orofaziale Störung/ Myofunktionelle Störung

Eine myofunktionelle- oder orofaziale Störung ist eine Störung der Muskulatur im Mund-, Gesichts- und Halsbereich. Man spricht auch von einer orofazialen Dysfunktion. Durch eine isolierte Fehlfunktion der Wangen-, Lippen- und Zungenmuskulatur sind die Bewegungs- und Koordinationsabläufe sowie das muskuläre Gleichgewicht aller am Schlucken beteiligten Strukturen betroffen.

Es können sich folgende Symptome zeigen:

  • Inkompletter Mundschluss
  • Mundatmung
  • Vermehrter Speichelfluss
  • Sensorische und motorische Defizite der Zunge
  • Unphysiologische Zungenruhelage
  • Vorverlagerung der Zunge beim Sprechen und Schlucken

Wird eine myofunktionelle Störung nicht behandelt, kann dies zu einer gestörten Kau-, Beiß- und Schluckentwicklung, einer undeutlichen oder abweichenden Aussprache der Zischlaute (Lispeln/Schetismus/Sigmatismus) sowie Zahn- und Kieferfehlstellungen führen.

Die logopädische Therapie beinhaltet in der Regel folgende Elemente:

  • Stimulation der oralen Wahrnehmung und Sensibilität
  • Abbau von Verhaltensmustern, die sich ungünstig auf das Muskelfunktionsgleichgewicht auswirken
  • Angewöhnen der korrekte Lippen- und Zungenruhelage mit Mundschluss und Nasenatmung
  • Gezieltes Muskelfunktionstraining in Form von mundmotorischen Übungen
  • Anbahnung eines physiologischen Schluckmusters

Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen

Bei auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS) ist die Weiterverarbeitung von gehörten Informationen gestört, während das Hörorgan unbeeinträchtigt ist. Betroffenen Kindern fällt es zum Beispiel schwer, bei Hintergrundgeräuschen ein Gespräch zu verfolgen, sie können Sätze nicht gut behalten oder ähnlich klingende Wörter oder Laute schwer unterscheiden. Im Schulalter entstehen häufig Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben.

In der logopädischen Therapie steht neben der gezielten Behandlung der Beeinträchtigungen auch die Beratung der Eltern, der Erzieher und Lehrer sowie die Veränderung und Anpassung der Hörumgebung (u. a. durch Berücksichtigung oder Optimierung der Raumakustik) im Mittelpunkt.

Dyslalie/ Artikulationsstörung

Eine Artikulationsstörung (Dyslalie) liegt vor, wenn Laute und/oder Lautverbindungen aufgrund von sprechmotorischen Problemen gar nicht oder fehlerhaft gebildet werden oder durch andere Laute ersetzt werden. Das bekannteste Beispiel hierfür ist die falsche Aussprache der S-Laute, also das Lispeln bzw. der Sigmatismus.

In der logopädischen Therapie wird zunächst die Wahrnehmung des Kindes für korrekte und abweichende Artikulation verbessert. Dann erlernen die Kinder die korrekte Bildung des oder der betreffenden Laute isoliert und in Silben, Wörtern und Sätzen.

Häufig zeigen die Kinder gleichzeitig Defizite im Bereich der Mundmotorik.

Näseln

Bei der Rhinophonie (Näseln) kann das Kind den für das Sprechen notwendigen Luftstrom nicht richtig lenken, wodurch der Stimmklang oder die deutliche Artikulation beeinträchtigt sind. Die kann organisch (z.B. bei Lähmungen des Gaumensegels, bei Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten) oder funktionell bedingt sein. Man unterscheidet zwischen geschlossenem und offenem Näseln.

Beim geschlossenen Näseln (Rhinophonia clausa) entweicht bedingt durch Schnupfen, Polypen, vergrößerte Rachenmandeln oder Tumoren die Luft bei den nasalen Lauten (m, n, ng) durch den Mund anstatt durch die Nase. Beim offenen Näseln (Rhinophonia aperta) fehlt der Abschluss des Nasenrachenraumes z.B. durch das Vorliegen einer Gaumensegellähmung oder einer Gaumenspalte. Beim Sprechen entweicht dann zu viel Luft durch die Nase und die Laute bekommen einen nasalen Beiklang.

Lese-Rechtschreibstörung

Unter einer Lese-Rechtschreibstörung (LRS) versteht man erhebliche Probleme beim Lesen und/oder Schreiben, die sich im Schulalter zeigen und lange anhaltend sind. Die allgemeine Begabung des Kindes ist durchschnittlich oder überdurchschnittlich.

Man spricht auch von Legasthenie oder Entwicklungsdyslexie/-dysgraphie. Auffälligkeiten sind z.B.:

  • Buchstabenauslassungen oder Vertauschungen beim Schreiben
  • Probleme beim Abschreiben
  • Fehlendes Leseverständnis
  • Auslassen, Verdrehen oder Hinzufügen von Wörtern oder Wortteilen beim Lesen
  • Langsame Lesegeschwindigkeit

Eingeschränkte phonologische Bewusstheit (z.B. Reimen oder Lauterkennung) oder Wahrnehmungsprobleme (z.B. auditive Merkschwäche oder visuelle Differenzierungsschwäche)
Die logopädische Therapie wird individuell auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt und umfasst oft neben der Sprache auch die Bereiche Aufmerksamkeit, Konzentration, Wahrnehmung, Fehlerbearbeitung und Regelwissen.